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Investment

Zinsentwicklung 2026: Was steigende Zinsen für Verkäufer bedeuten

5 Min. Lesezeit

Verkäufer schauen meist zuerst auf Lage, Zustand und Ausstattung ihrer Immobilie. Selten auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Dabei beeinflusst kaum ein Faktor die Kaufkraft der Käuferseite so unmittelbar wie das aktuelle Zinsniveau.

Wo die Zinsen aktuell stehen

Die EZB hat den Leitzins am 10. September 2026 um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben, im Rahmen einer Serie von Erhöhungen im laufenden Jahr. Grund ist anhaltender Inflationsdruck. Die nächste Zinsentscheidung steht am 29. Oktober 2026 an, weitere Anhebungen sind laut Markteinschätzungen nicht ausgeschlossen.

Bei den Bauzinsen zeigt sich der gleiche Trend. Zehnjährige Finanzierungen liegen aktuell bei rund 4,0 bis 4,5 Prozent, im Schnitt um 4,38 Prozent. Ende 2024 lag das Niveau noch bei rund 3,0 Prozent. Ein Anstieg von mehr als einem Prozentpunkt innerhalb weniger Quartale.

Was steigende Zinsen für Käufer bedeutet

Der Zusammenhang ist einfach, wird aber oft unterschätzt: Bei einem festen monatlichen Budget für die Finanzierungsrate sinkt mit steigendem Zins die tatsächlich finanzierbare Kaufsumme. Ein Anstieg von rund 3,0 auf 4,4 Prozent reduziert die bei gleicher Monatsrate finanzierbare Darlehenssumme spürbar. Viele Käufer bemerken diesen Effekt erst im konkreten Finanzierungsgespräch, nicht bei der ersten Preisrecherche.

Warum das im Private-Real-Estate-Segment trotzdem relevant ist

Im hochpreisigen, oft eigenkapitalstarken Marktsegment wirkt sich eine Zinsänderung gedämpfter aus als im breiten Wohnungsmarkt. Irrelevant ist sie deshalb nicht. Auch vermögende Käufer und Family Offices kalkulieren Fremdfinanzierungsanteile, Opportunitätskosten von gebundenem Kapital und Renditeerwartungen im Vergleich zu anderen Anlageformen. Steigende Zinsen erhöhen zudem die Attraktivität alternativer Anlagen wie Anleihen oder Festgeld gegenüber Immobilieninvestitionen. Das kann Kaufentscheidungen verlangsamen oder Preisverhandlungen härter machen.

Unsicherheit sorgt für Zurückhaltung, nicht nur die Zinshöhe selbst

Mit der bevorstehenden EZB-Entscheidung Ende Oktober warten manche Käufer bewusst ab, bevor sie sich festlegen. Das verlangsamt breit gestreute Verkaufsprozesse spürbar. Ein gezielter, diskreter Prozess mit vorab geprüften, entscheidungsbereiten Interessenten reduziert dieses Risiko. Käufer, die aktiv und persönlich angesprochen werden, sind in der Regel weiter in ihrer eigenen Finanzierungsplanung als Zufallsinteressenten eines offenen Inserats.

Was Verkäufer daraus mitnehmen sollten

  • Preisvorstellungen am aktuellen Zinsniveau ausrichten, nicht an Erwartungen aus der Nullzinsphase vor 2022
  • Bei geplanter eigener Anschlussfinanzierung frühzeitig prüfen, wie sich das aktuelle Zinsniveau auf die eigene Planung auswirkt
  • Gezielt finanzierungsstarke, ernsthafte Käufer ansprechen, statt auf reine Marktbreite zu setzen

Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine technische, rechtliche oder steuerliche Beratung im Einzelfall.

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